Der HerzKreis - Ein ganzheitlicher Ansatz in der Psychokardiologie - Die Transkulturelle Bedeutung des Herzens

Geschrieben für den Reader des Weltkongress Ganzheitsmedizin 2018 , von Dr. med. Michael D.F. Schmidt

Die transkulturelle Bedeutung des Herzens

In den meisten Kulturen der Menschheit steht das Herz für das Wesen des Menschen, den Sitz der Seele, das Haus Gottes...und in allen Kulturen steht es für die Mitte. Die Mitte zwischen Himmel und Erde. Der Kopf steht dem Himmel näher, der Bauch der Erde und das Herz in der Mitte verbindet alle drei zu einer Einheit. Diese Bedeutung des Herzens findet sich in unserem heutigen Verständnis von Kopf, Herz und Bauch ebenso wieder wie in der hawaiianischen Kunde vom höheren, mittleren und niederem Selbst oder in der traditionellen chinesischen Medizin als mittleres von drei Energiezentren, oder in der Anthroposophie des dreigegliederten Menschen.

 

In der vedischen Chakrenlehre ist das Herz das mittlere von sieben Zentren entlang unserer Mittellinie. Es transformiert die eher materielle Energie der drei unteren Zentren in die feinstofflich geistige der drei oberen. Es wird Anahata, das Ungebrochene, genannt, weil es sich nicht in Dualität aufspalten lässt und immer ganz ist. Im Sufismus, einer islamischen Tradition, ist es der Pfad des Herzens, der zu Gott führt. Nur das Herz ist fähig zu erkennen und hat die Kraft ihm zu begegnen. Der Pfad des Herzens ist die Entwicklung von Gottvertrauen und ein beständiges Preisen der Existenz. In der ägyptischen Mythologie liegt im Herzen die Ganzheit der Person. Es erscheint zu Lebzeiten des Menschen als eine Art Zeuge, wie sehr man die Essenz des Lebens verkörpert hat und wie wahrhaftig dies geschehen ist. Nach dem Tod wird es gewogen und es wird dabei darauf ankommen, wie viel Ma´at es besitzt, d.h. wie sehr der Mensch im Einklang mit dem Leben und seinen Gesetzen gelebt hat. Dazu wird eine Figur der Göttin Ma`at in die andere Waagschale geworfen.

 

In der Mythologie der Azteken wurde das Herz als die regierende Mitte der menschlichen Existenz angesehen und als Symbol der Sonne im Kosmos betrachtet deshalb das Herz dem Himmelsgott Huitzilopochtli zugehörig. Durch Herzopferrituale auf den Pyramiden wurde dieser genährt, damit er das Firmament aufrechterhält. Das Herzopfer war der Höhepunkt der aztekischen Religionsausübung. Wesentlich dabei war, dass das aus dem Körper entfernte Herz der Sonne entgegengehalten wurde, solange es noch schlug, sodass seine lebendige Kraft der Sonne geweiht wurde und so an sie zurückgegeben werden konnte. 

 

Die Bedeutung des Herzens in unserer eigenen Kultur ist vornehmlich vom christlichen Glauben geprägt. Es ist in der Religionsgeschichte öfter ganz in den Vordergrund gestellt worden, v.a. in den mystisch-christlichen Traditionen des Mittelalters, die heute noch in der Ostkirche im Herzensgebet gepflegt werden, eine immerwährende Einladung und Bindung an Jesus Christus durch das Herz. In der mitteleuropäischen Tradition ist es die Herz Jesu Bewegung, welche das Herz Christi als Essenz seiner Liebe betont. In bildlichen Darstellungen sehen wir, wie Jesus seine Brust öffnet und auf sein Herz weist. Manchmal ist es von einem Dornenkranz als Zeichen seines Leidens umschlossen und erinnert an verengte schmerzende Herzkranzgefäße, mal umranken Rosen das Herz als Zeichen der Transformation des Leidens und der Wiederauferstehung. Manchmal ist es auch mit einer Flamme dargestellt als Symbol des Geistes und der Reinheit. Es gibt auch Darstellungen mit einer Wunde und einem Blutstropfen. Dies ist das Herzblut die Essenz des Leibes Christi.

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